Was macht einen guten Kutscher aus? Wie sieht der Alltag mit Pferden aus? Wir haben mit Johann Brandner gesprochen, der seit über 30 Jahren als Kutscher arbeitet und sein Wissen auch in unserer Kutschenfahrschule weitergibt.
Johann Brandner
Kutschermeister aus Leidenschaft. Aufgewachsen auf einem Bauernhof in Oberösterreich, hat Johann schon als Kind das Fahren mit Pferden gelernt. Heute gibt er sein Wissen in Kursen weiter und fährt selbst noch regelmäßig Touren.
Das Interview
Johann, wie bist du zum Kutschfahren gekommen?
Das liegt bei uns in der Familie. Mein Großvater war noch richtiger Fuhrmann, hat Holz aus dem Wald geholt und Waren transportiert. Als Kind bin ich immer mitgefahren. Die Faszination für Pferde und das Fahren hat mich nie losgelassen. Irgendwann habe ich dann den Entschluss gefasst, das professionell zu machen.
Was macht einen guten Kutscher aus?
Geduld. Ganz viel Geduld. Pferde sind keine Maschinen, die funktionieren immer unterschiedlich. Man muss sie lesen können, ihre Stimmung spüren, ihre Signale verstehen. Das lernt man nicht aus Büchern, das kommt nur mit Jahren der Erfahrung. Und natürlich Respekt – vor den Tieren, vor der Verantwortung, die man trägt.
Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus?
Der Tag beginnt früh, meist gegen 6 Uhr. Zuerst versorge ich die Pferde – füttern, Stall ausmisten, kontrollieren ob alle gesund sind. Dann wird angeschirrt, je nach Tour kann das eine Stunde dauern. Die Fahrt selbst ist dann eigentlich der entspannte Teil. Danach wieder versorgen, Geschirr pflegen, alles für den nächsten Tag vorbereiten. Man ist schnell 12 Stunden beschäftigt.
Was war dein schönstes Erlebnis als Kutscher?
Da gibt es so viele! Aber eines ist mir besonders in Erinnerung geblieben: Eine mehrtägige Tour durch das Salzkammergut, früh morgens, Nebel über den Wiesen, die Sonne geht gerade auf. Plötzlich steht eine Herde Rehe am Waldrand und schaut uns einfach nur an. Die Pferde waren ganz ruhig, die Gäste haben den Atem angehalten. Solche Momente kann man nicht planen.
💡 Johanns Tipp für Fahrgäste
„Lasst das Handy in der Tasche und schaut einfach nur. Die schönsten Momente passieren, wenn man nicht damit beschäftigt ist, sie festzuhalten."
Was gibst du deinen Schülern in der Fahrschule mit?
Dass es beim Kutschfahren nicht um Tempo geht. Die Technik kann man lernen, die Handgriffe auch. Aber das Wichtigste ist die Einstellung: Du führst lebende Wesen, du bist für sie verantwortlich. Wer das verinnerlicht hat, wird ein guter Kutscher. Wer nur auf den Bock will, um cool auszusehen, der ist bei mir falsch.
Wie siehst du die Zukunft des Kutschfahrens?
Sehr positiv! Die Menschen haben genug von der Hektik. Sie suchen echte Erlebnisse, Entschleunigung, Verbindung zur Natur. Das können wir bieten wie kaum ein anderes Angebot. Die Nachfrage steigt, besonders bei jungen Familien und bei Menschen, die bewusster leben wollen. Ich glaube, unsere beste Zeit kommt erst noch.
Wir danken Johann für das offene Gespräch und die Einblicke in seinen faszinierenden Beruf.
Selbst Kutschfahren lernen?
In unserer Kutschenfahrschule können Sie von erfahrenen Kutschern wie Johann lernen.
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